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Geschichte aus erster Hand

„Hitlerjunge Salomon“ Sally Perel als Zeitzeuge am Martinus-Gymnasium Linz

Hunderte von aufmerksamen Schülern und ein Zeitzeuge, der es versteht, das selbst Erlebte den Jugendlichen anschaulich zu vermitteln. Was sich am Montagmorgen am Martinus-Gymnasium in Linz abspielte, war Geschichtsunterricht aus erster Hand. Dieser zeigte, wie aktuell das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte noch heute ist, obwohl es mehr als 50 Jahre zurückliegt.


Zu Gast bei den Schülern und Schülerinnen der 8. bis 11. Jahrgangsstufe war an diesem Vormittag der inzwischen 84-jährige jüdische Schriftsteller Salomon Perel. Er hatte zur Zeit des Nationalsozialismus sein Leben als „Hitlerjunge Josef Perjell“ gerettet – eine fast unglaubliche Geschichte. Perel: „Ich überlebte die grausame Zeit – aber nicht auf der Seite meiner Glaubensbrüder, sondern versteckt unter der Haut des Feindes, im Rachen des Löwen.“ Dabei habe er Schutzmechanismen entwickelt, eine Spaltung seiner Seele, die ihn bis heute verfolge und immer wieder zum Nachdenken zwinge. Er wurde ein begeisterter Hitlerjunge, getrieben vom Willen zu überleben und immer bemüht, seine jüdische Identität zu verleugnen.


Jahrzehnte später hat er das Buch „Ich war Hitlerjunge Salomon“ geschrieben und berichtet seit vielen Jahren vor jungen Menschen von den Gräueltaten der Nazis, aber auch von seinen seelischen Konflikten, die er wegen seiner verdeckten Identität erlebt hat. Er brauchte mehr als vierzig Jahre, um das Trauma seines Lebens in Worte zu fassen. Aber mit dem Beschluss, dies zu tun, verpflichtete sich Perel, eine Aufgabe zu übernehmen - im Sinne von Steven Spielbergs Aussage: „Zeitzeugen sind Lehrer.“


„Die Jugend heute ist nicht verantwortlich für die Gräueltaten der Nazis, aber sie wird es sein, wenn es wieder zu solchen kommen sollte“, ist seine Botschaft und zugleich sein Auftrag an die jungen Menschen, gegen Rassismus jeder Art zu kämpfen. Dies wurde von dem jungen Publikum verstanden – emotional und intellektuell.

Perels Worte sind eindringlich, sie lassen niemanden unberührt. Der alte Herr beschreibt Gefühle und Szenen sehr offen und lebendig. Die Idiotie der Rassenlehre der NS-Ideologie beispielsweise wird deutlich, wenn er beschreibt, wie er im Unterricht mit seinen physiognomischen Merkmalen als „klassischer Arier von ostbaltischer Rasse“ präsentiert wurde.

Die Schüler stellen interessierte Fragen zur schulischen Erziehung damals; sie können es kaum glauben, wie ein junger Mensch in wenigen Jahren von einer menschenverachtenden Ideologie so beeinflusst werden konnte. Und sie interessieren sich für die künstlerische Umsetzung von Perels Schicksal im gleichnamigen Film. Viele Fragen, auf die Perel bereitwillig eingeht: Gab es Leni wirklich? Hat Perel sie wiedergesehen? Ist er wirklich Stalins Sohn begegnet? Und was haben die Abschiedsworte seiner Mutter für ihn in seinem Leben bedeutet: „Du sollst leben!“?

Information:

1925 wurde Salomon Perel als Sohn frommer Juden im niedersächsischen Peine geboren. 1935 floh seine Familie vor der Rassendiskriminierung nach Lodz. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen flüchtete Perel mit seinem älteren Bruder vor dem Ghetto in Lodz nach Ost-Polen. Als die Wehrmacht 1941 ihren Russland-Feldzug begann, versuchte er nach Minsk zu flüchten, fiel aber deutschen Truppen in die Hände und gab sich als „Volksdeutscher Josef Perjell“ aus. Nach einer Zeit als Dolmetscher bei der Wehrmacht an der Ostfront kam der Sechzehnjährige in die HJ-Schule nach Braunschweig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Perel bis 1948 als Dolmetscher bei den Sowjets in Ostdeutschland, bevor er im Mai 1948 nach Israel auswanderte. „Ich wollte nie wieder irgendwo als Minderheit leben, sondern im Rahmen einer Mehrheit für Minderheiten kämpfen“, sagt Perel, der sich sehr für den Frieden in seiner Heimat engagiert.

Das Buch “Ich war Hitlerjunge Salomon” ist die autorisierte Autobiographie des Sally Perel, der hier über die Schilderung seiner aberwitzigen Erlebnisse hinaus auch seine Gedanken und Gefühle offen legt, seine Zerrissenheit beschreibt, den inneren Kampf mit dem Hitlerjungen Jupp, der er wirklich war. Aus der Distanz von mehr als vierzig Jahren versucht er, die Ereignisse zu reflektieren und zu bewerten.

Die amerikanische Filmakademie nominierte Agnieszka Hollands vieldiskutierten Film „Hitlerjunge Salomon“, der auf der vorliegenden Geschichte basiert, in der Kategorie „Bestes Drehbuch“ zur Oscar-Preisverleihung.

Annette Schütte

Einige Schülerkommentare zur Lesung:

Für mich war es eine wichtige Erfahrung, einen der letzten Augenzeugen des Hitler-Regimes von dieser schrecklichen Zeit berichten zu hören. Zwar hatte ich schon viel über den Nationalsozialismus und die Judenverfolgung gehört oder durch Filme erfahren, aber durch die Schilderung eines persönlich Betroffenen bekam ich einen viel intensiveren Eindruck von den damaligen Geschehnissen. Ich war erstaunt darüber, dass der Autor trotz des immensen Leides, das ihm die Nazis angetan hatten, keinen Hass gegenüber den Tätern empfindet. […]

Andreas Thol, 9c

 

Der Vortrag brachte mich zum Nachdenken, wie schlimm es wirklich in der Zeit des Nationalsozialismus war. Es machte mich traurig, wie man so mit Menschen, die einen Glauben hatten, umging. Jedoch bewundere ich Herrn Perel, wie er seine Jugend so tapfer überstanden hat. Der Segen seines Vaters und seiner Mutter war eine Hilfe zum Überleben, denn an dem hat er sich orientiert. Salomon Perel gab uns die Botschaft als Zeitzeuge und wir sollen sie an die nächste Generation weitererzählen, damit so etwas Schreckliches nie wieder passiert. […]

Lea Rombach,9

 

Der Vortrag von Salomon Perel war sehr ergreifend. Es ist etwas ganz anderes, wenn man das alles von einem Menschen erzählt bekommt, der wirklich dabei war, der sagen kann, was er gefühlt hat. […]

Arjan Kuqui, 9c

 

Ich fand es toll, dass Sally Perel hier bei uns in der Schule war und uns erzählt hat, wie er es geschafft hat, als Jude unter den Nationalsozialisten zu überleben. Er ist schon fast 85 und trotzdem reist er von Israel bis nach Deutschland um uns zu erzählen, wie er den 2. Weltkrieg überlebt hat. […]

Ich fand es sehr eindrucksvoll, wie er die beiden Gegensätze beschrieb: Nachts stand er auf und malt einen Judenstern ans Fenster und tagsüber trug er eine Uniform mit Hakenkreuzen. Das ist ja schon ziemlich krass! Es ist auch schrecklich, wie Sally Perel sich immer verstecken musste, um nicht erkannt zu werden, dass er Jude ist.[…]

Miriam Scholl, 9c

 

[…] Es ist schrecklich, dass es damals so eine Zeit gegeben hat. Ich finde, wir können froh sein, dass wir das alles nicht durchmachen mussten! Durch seinen Vortrag ist mir bewusst geworden, dass man mit dem heutigen Leben zufrieden sein soll und dass wir alles dafür tun sollten, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann.

Angelina Bartel,9c