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Besuch im Dialogmusem in Frankfurt



Die Klasse 10c und der Kurs 11E1 führte der Wandertag gemeinsam ins das Dialogmuseum nach Frankfurt a.M.

Beide Kurse haben ihre jeweiligen Eindrücke in einem Bericht zusammengefasst:

Einmal spüren, was es heißt, blind zu sein!

„Einmal spüren, was es heißt blind zu sein!“ Das war erklärtes Ziel von sechzig Schüler und Schülerinnen des Martinus-Gymnasiums (10. und 11. Jahrgangsstufe), die am Schulwandertag (30.09.2010) in den Bus nach Frankfurt stiegen. In Frankfurt wollten wir das Dialogmuseum besuchen. Es versteht sich als „Schule des Sehens“, das eine Plattform zur vorurteilsfreien Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung sein soll. Blinde sollten uns im „Dialog im Dunkeln“ die Augen öffnen und eine neuartige Perspektive erlauben. So jedenfalls war es im Programm des Museums angekündigt.

Zu Beginn wurden in Kleingruppen Kommunikationsspiele gespielt, die uns langsam an die Gewohnheit des Lebens ohne Augenlicht gewöhnten. So zeichneten wir auf Anweisung unserer Spielführer uns unbekannte Motive, die wir währenddessen erraten mussten, oder steckten unsere Hand in blickundurchlässige Holzkästen, aus denen wir spezielle Gegenstände herausnehmen sollten. Bei diesen Spielen waren unsere Augen unwichtig und meist nicht benutzbar, sodass die übrigen Sinne wie z.B. der Tastsinn, mehr angestrengt wurden, was uns auf die anschließende Führung durchs Dunkel vorbereitete.

Jeweils in Gruppen von acht Schülern wurden wir dann, mit Blindenstöcken ausgestattet, in einen Gang geführt, der so stockfinster war, dass wir unsere eigene Hand nicht mehr vor Augen sehen konnten! Dort sollten wir uns nun ohne unseren wichtigsten der fünf Sinne zurechtfinden – eine völlig neue Erfahrung! Kein Wunder - zu Beginn gab es bei fast jedem kleine Panikattacken, wie wir uns später eingestanden; jedoch reichten oftmals schon der Händedruck eines Mitschülers oder besänftigende Worte, um wieder ruhig zu werden. Im Dunkeln trafen wir auch auf unseren sehbehinderten Gruppenführer Mounir, welcher schon lange im Dialogmuseum arbeitet und sich in den dunklen Räumen perfekt auskennt, wie uns mehrfach versichert wurde.

Mit den Blindenstöcken in der Hand folgten wir Mounirs Stimme in den ersten Raum, der als Park aufgebaut ist. Im Dunkeln konnten wir die Baumrinde erfühlen, den Vogelgesängen lauschen und mussten am Geräusch unserer Schritte auf dem Boden erkennen, ob wir auf dem richtigen Weg waren. Das erste Hindernis im Park war ein kleiner Bach den wir über eine Brücke überqueren mussten. Wir nahmen uns alle gegenseitig an die Hand und führten einander zum Brückengeländer hin. Auf der anderen Seite angekommen hatte man ein Erfolgserlebnis und fühlte sich wie ein Team.

Anschließend wurden wir in einen komplett leeren Raum geführt, in dem wir es uns gemütlich machen und gemeinsam Musik hören konnten. Dies war eine vollkommen andere Erfahrung als normales Musik hören, wenn man sich nebenbei noch auf die Umgebung und visuelle Eindrücke konzentriert. Man nimmt die Töne viel intensiver wahr und spürt den Bass im Körper.

Der nächste Raum, in den Mounir uns führte, führte uns eine Stadt aus Blindensicht vor. Mit einer Hand an der Häuserwand - links von uns die Straße - gingen wir auf dem Bürgersteig und lauschten den Stadtgeräuschen. Im Dunkeln entdeckten wir ein stehendes Auto, ein Motorrad und einen Obststand mit verschiedenen Früchten in Körben. Diese durften wir anfassen und daran riechen, um zu erkennen, worum es sich handelt.

Am Ende konnten wir in der „Dunkelbar“ einen Drink zu uns nehmen und unsere Eindrücke mit dem Gruppenführer und den Gruppenmitgliedern besprechen. Gemeinsam stellten wir fest, dass sich keiner von uns allein in die Dunkelkammern getraut hätte und wie wichtig es war, auf die Hilfe unserer Gruppenmitglieder vertrauen zu können!

Fast alle fanden, dass dieser „Wandertag“ sich gelohnt hatte!

Ingken Knöpfler (10c)

 

Besuch im Dialogmusem in Frankfurt

Zum Wandertag am 30.09.2010 machten sich die 10c mit Frau Schütte und der Kurs 11E1 mit Frau Nefigmann gemeinsam um 8.30 Uhr auf den Weg nach Frankfurt. Ziel war das Dialogmuseum. Nach zweieinhalb Stunden Fahrt hielt der Bus um 11:00 Uhr genau vor dem Gebäude, in dem wir den Tag verbringen würden. Drinnen folgten alle nach kurzer Wartezeit einer Dame in das „casino of communication“. Hier war die Möglichkeit gegeben an vielen verschiedenen Stationen zu viert oder zu fünft spielerisch die gegebenen Aufgaben zu lösen. Die meisten Punkte konnte man dann erreichen, wenn im Team eine gute Absprache herrschte.

Während die Schüler assoziierten, Geschick bewiesen oder ihren Tastsinn verbesserten, war eine Gruppe von 8 Schülern auf einer interessanten Führung im Hauptgebäude des Blindenmuseums. Mit einem Blindenstock und den bloßen Händen galt es, das Dunkle zu entdecken. Sobald wir in das Dunkle traten, konnten wir die eigene Hand nicht mehr vor den Augen sehen. Allein diese Erkenntnis lies das gewohnte Gefühl von Sicherheit schwinden. Geführt wurde jede Gruppe von einer blinden Person, die nur zu hören war. Die erste Station war ein Wald. Mit einer Hand an der Wand und den Füße auf Kiesboden führte die Reise an einem Wasserfall vorbei, über eine wacklige Brücke bis zu einer Wand in die ein Wort geschnitzt war, wessen Buchstaben durch Tasten erforscht werden mussten.

Im Klangraum waren nun die Ohren an der Reihe. Liegend oder sitzend durchdrang die Musik den ganzen Körper. Der sanfte Bass strömte durch jede Faser und entspannte die Sinne.

Die nächste Station war eine Stadt. Alltägliche Dinge wie Fenster, Türklinken, Briefkästen und ein Auto konnten ertastet werden. Hinzu kam die Überquerung der Straße nach dem Geräusch (!) der Ampel, auf welches man sonst nur sekundär achtet.

In der letzten Station, der Dunkel-Bar, konnten Getränke gekauft werden. Interessant hierbei, die Erkennung der Geldscheine und Münzen auf Grund der Länge und der Außenrillen. Zum Schluss war noch Zeit, der Dame oder dem Herrn, der durch die Finsternis geleitet hat, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen.

Der Übergang vom Dunklen wieder zurück ins Helle lies die Augen zuerst ganz klein werden, bis sie sich erst nach einigen Sekunden wieder an das Tageslicht gewöhnten. Wir waren froh, wieder sehen zu können, da das Fehlen dieses Sinnes viel Sicherheit nahm. Anfangs stapfte man ein wenig panisch durch die Stationen, immer mit der Hand am Vordermann oder mit der stetigen Frage „Wo geht es lang?“. So war es eine tolle Erfahrung, die verschiedensten Terrains zu betreten und zu betasten, ohne auch nur das geringste sehen zu können. Wir haben gelernt, dass man sich als blinder oder sehbehinderter Mensch auf seine anderen Sinne verlassen, doch vor allem erst einmal EINlassen muss.

Als auch die letzte Gruppe die Endeckungstour erfolgreich bestanden hatte, ging es auf schnellstem Weg Richtung Linz. Nach abermals zweieinhalb Stunden kam der Bus pünktlich um 16:00 Uhr wieder vor dem Martinus-Gymnasium an.