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Exkursion zum Nürburgring am 11.04.2011

Ein sonniger Montagmorgen, 8 Uhr am Martinus Gymnasium in Linz. Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 10B und 10C treffen sich mit ihren Erdkunde- und Chemielehrern, Herrn Ruhnau und Herrn Dr. Günther, am Eingang der Schule. Das Ziel ist der Nürburgring in der wunderschönen Eifel.


Nach etwa einer Stunde und 30 Minuten sind die Klassen am weltweit bekannten und gleichzeitig berüchtigten Nürburgring angekommen. Die 20,832km lange Nordschleife des Rings gilt als die gefährlichste Rennstrecke weltweit. Wer einmal einen Trip mit seinem Auto darauf wagen möchte, den kostet das pro Runde 24€. Mit einem Profi zusammen muss man allerdings über 200€ „blechen“. Das Gelände am Ring ist in mehrere Gebäude aufgeteilt. Es gibt das ring°werk, den ring°boulevard und eine ring°kartbahn.


Der Kreis hinter dem Wort „ring“ ‘°‘ ist das Kennzeichen der Rennstrecke und seines Freizeitcenters. Zuerst soll die eine Klasse durch das ring°werk geführt werden und darf sich danach alleine dort „austoben“, während die andere Klasse einen Workshop zum Thema „Umwelt“ und eine Führung über das Gelände erhält. Nach einer kurzen Mittagspause soll dann getauscht werden. Im ring°werk wird die Klasse in einen Kinosaal geführt. Am Eingang steht „24h Rennen 4D-Cinema“ geschrieben. Die Schülerinnen und Schüler bekommen 3D-Brillen ausgeteilt und ihnen wird geraten, ihre elektronischen Geräte abzudecken. Viele fragen sich gespannt, was das zu bedeuten hat. Als der 15minütige Film über die Vorbereitung, Ausführung und schließlich auch die Beendung des 24Stunden Rennens läuft, ist klar, was genau mit den 4D-Effekten gemeint ist. Als es im Film nämlich anfängt zu gewittern, zu stürmen und zu regnen, erscheinen von hinten grelle Blitze, die den ganzen Saal ausleuchten, von den Seiten strömt Wind aus riesigen Ventilatoren und von oben fällt leichter Regen auf die Zuschauer. Auch die Nase wird nicht verschont, als es Nacht wird und im Bild ein Lagerfeuer zu sehen ist. Man bekommt den Geruch von Rauch in die Nase und fühlt sich auch durch das Gefühl, alles berühren zu können, wie im Film. Nach dem Film geht es auf zum „Nürbus“, einen kleinen Raum, der aussieht wie ein alter Bus von innen. An drei Wänden sieht man eine Leinwand und die Schüler werden gebeten, während der virtuellen Fahrt, die folgen sollte, nicht aufzustehen. Gespannt schauen die Schüler auf die Leinwand, die die Frontscheibe bildet. Dann geht die Fahrt auch schon los. Von einem netten Busfahrer mit lustigem, kölschen Akzent wird die rasante Fahrt kommentiert und man fühlt sich fast wie in einem richtigen Touristenbus. Auch dies kommt bei vielen gut an. Doch die meisten sind immer noch voller Vorfreude auf die Rennsimulatoren. Bevor die Schüler ihre Freizeit genießen können, geht es in einen kleinen Saal, in dem Ränge aufgebaut sind. Sie setzen sich an die Tische, auf denen 3 Knöpfe angebracht sind und bekommen die Regeln für das folgende Quiz erklärt. Sie entscheiden sich für den Schwierigkeitsgrad ‚schwer‘, was jedoch ein Fehler war, da die meisten Fragen nur von Profis hätten beantwortet werden können. Marvin S. jedoch macht den ersten Platz und tippt die meisten Fragen richtig. Anschließend steht ein Geschicklichkeitsspiel an, eine Art Lasershooting, bei dem man in einem Wagen sitzt und durch einen Parcours fährt. Hierbei schießt man mit Tankrüsseln als Pistolen auf kleine Lichter. Weiterhin gibt es mehrere kleine Spielattraktionen für die „Großen“. Als Höhepunkt ist der Fahrsimulator mit echter Truckerkabine zu nennen, die sich hydraulisch gesteuert, entsprechend der Lenkbewegung, bewegt. Doch es gibt im ring°werk nicht nur Spielkonsolen. Man kann sich auch einige Rennautos oder die Funktionsweise eines Motors angucken. Für Autobegeisterte ist das ring°werk auf jeden Fall der richtige Platz, um einen Tag zu verbringen. Auch die besten Rennfahrer kann man sehen und anfassen, leider sind sie nur aus Wachs. Unter anderem dabei: Formel 1-Legende Michael Schumacher. Dort noch in rotem Ferrarianzug. Nach ausreichender Besichtigungszeit folgt eine kleine Mittagspause, in der das Essen in der Cafeteria des Hauses auf die Probe gestellt wird. Zur Wahl stehen Spaghetti Bolognese oder Pommes mit Chicken Nuggets. Dann folgt der Tausch. Die Klasse, die zuvor Freizeit genießen konnte, macht sich jetzt auf zum Vortrag und der Führung, und umgekehrt. Also begibt sich die Klasse nun in den Seminarraum.


Herr Winfried Sander, der die Klassen zuvor auch schon begrüßt hatte, stellt dort eine Power-Point-Präsentation über den Nürburgring und seine Umgebung vor. Weiterhin nennt er einige allgemeine Daten zur Eifel, z.B. die Einwohnerzahlen, -dichte, Geburten- und Sterberate und die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe. Dabei zeigt sich, dass es in der Eifel gerade einmal 25 landwirtschaftliche Betriebe gibt, wobei viele gedacht hätten, dass es mehr wären. In den Gemeinden der Eifel wohnen insgesamt 14.000 Menschen in einer Dichte von 52 Einwohnern pro km². Die Bevölkerungsanzahl der Eifelgemeinden sinkt, da die Sterberate bei 10 pro 1000 Einwohnern liegt und die Geburtenrate bei nur 6 pro 1000 Einwohnern, was auch darauf schließen lässt, dass es mehr ältere Menschen auf dem Land gibt als junge Menschen. Neben den demografischen Veränderungen beleuchtet Herr Sander auch die Situation, die am Nürburgring vorliegt, wenn das berühmte Rock-Festival ‚Rock am Ring‘ seine Tore für musikbegeisterte Menschen öffnet. Neben dieser Großveranstaltung ist für viele Autofans der Nürburgring ein Traum, vor allem für Autoliebhaber, doch für Realisten und Kritiker ist er eher ein Albtraum. Man sollte sich hier vor allem die Aspekte zur Ökonomie, Ökologie, zum Sozialen und zur Politik anschauen.

Zudem steht die Frage im Raum, wie es mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit aussieht. Doch was ist Nachhaltigkeit eigentlich? Dazu bemüht Herr Sander ein Zitat von Gro Harlem Brundtland, der ehem. Norwegischen Ministerpräsidentin aus dem Jahr 1987 ein; „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation sichert und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhält.“ Was heißt, dass wir zwar die gegenwärtige Situation für die Zukunft sichern und den folgenden Generationen einen guten Anschluss bieten sollen, dennoch den folgenden Generationen eine Chance auf die Selbstgestaltung ihres Lebens geben sollen. Die Grunddaseinsfunktion liegt in der Region vor allem im Bereich des Wohnens.

Der Nürburgring wird momentan von der Nürburgring Automotive GmbH geleitet, vor 20 Jahren von der Nürburgring GmbH. Die Nürburgring Automotive GmbH spaltet sich in Lindner AG und MediInvest GmbH, die beide einen Anteil von je 50% haben und im Jahr mindestens 15 Millionen Euro an Einnahmen erzielen müssen. Früher besaß das Land Rheinland-Pfalz einen Anteil von 90% und der Landkreis Ahrweiler einen Anteil von 10%. Der jetzige Ausbau (ca. 350 Mil. Euro) wurde mit Steuermitteln des Landes RLP durchgeführt, der bis zum heutigen Tag politisch und ökonomisch sehr umstritten sind. Zudem gibt es durch die zahlreichen Veranstaltungen eine erhöhte Kriminalitätsrate (u.a. durch Diebstahl, Drogen und/oder Körperverletzung). Letztendlich erfahren die Schüler, dass der Bau des Nürburgrings heute nicht mehr möglich wäre. Unter anderem auch deshalb, da große Flächen der Landschaft versiegelt wurden und somit der Lebensraum vieler verschiedener Tiere und Pflanzen zerstört wurde.

Nach dem Vortrag wird die Klasse durch das Gelände geführt. Als erstes wird ihnen die Achterbahn, der ring°racer, gezeigt, welche durch das gesamte Gelände führt. Sie sollte eigentlich mit 217km/h die schnellste Achterbahn auf der Welt sein. Doch auf Grund mehrerer technischer Probleme konnte sie bis heute nicht in Betrieb genommen werden und wird voraussichtlich im Juni mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160km/h eröffnet werden. Für diese Geschwindigkeiten eignet sich die Platzierung direkt am Nürburgring an der Formel 1 Start- und Zielgeraden natürlich ideal.


Hergestellt wird der ring°racer von S&S Power aus den USA. S&S Power hat bereits die Bahn Dodonpa im Fuji-Q Highland (Japan) gebaut, welche 2001 mit 172 km/h einen damals neuen Rekord in Sachen Geschwindigkeit aufgestellt hat. Als nächstes wird die Klasse in den ring°boulevard geführt. Das ist eine 9000m² große Halle voller Geschäfte zum Thema Motorsport und mit der größten LED-Wand Europas, die über 3 Millionen Euro gekostet hat. An der 45m breiten und 11m hohen LED-Wand werden unter anderem Fußball-WM Spiele übertragen.


Der Boulevard sollte eigentlich nach Planung der Geschäftsleitung mit seinen 365 Tagen im Jahr, die er geöffnet hat, das Herzstück des Erlebnisparks und voller Menschen sein. Doch als die Klasse ihn betritt, ist kein Besucher zu sehen. Ein Hauch von Leere spiegelt sich in den Schaufenstern wider. Im Boulevard ist außerdem ein Kletterpark, den man für 6€ durchklettern könnte. Doch auch oben in den Seilen hängt niemand. Weiter geht es in der Führung in die ring°arena. Das ist ein großes Multifunktions-Stadion mit 3000 - 5000 Sitzplätzen. Eigentlich eine gute Idee, so ein Stadion für Konzerte, große Feiern oder Boxkämpfe. Felix Sturm gewann z.B. in der Arena seinen Weltmeistertitel. Doch bei der Planung der Arena hat sich niemand ausreichend Gedanken gemacht. Ein großes Problem ist zum Beispiel, dass die Arena keine eigenen Toiletten und keine eigene Küche besitzt. Zudem kostet die Arena, auch wenn sie nicht benutzt wird und vor allem im Winter, sehr viel an Heizkosten. Wenn man die Arena mieten möchte, kostet dies 7500 € am Tag, die gesamte Rennstrecke würde 15000 € pro Tag kosten. Auf Grund der seltenen Buchung kommt aber nicht genug Geld ein, um das Ganze zu finanzieren. Weiter geht es mit der Führung zum Eifeldorf, ‚die Grüne Hölle‘. Die Klasse betritt einen großen Platz mit mehreren ‚fake‘-Fachwerkhäusern, die sich als Restaurants und Disco entpuppen. „Das Partydorf ist am Wochenende recht gut besucht“, meint Herr Sander. Die Disco ‚Eiflstadl‘ ist mit ihren 1000 Plätzen sehr gefragt. - Leider auch in Sachen Kriminalität. Denn die Rate an Diebstählen und Schlägereinen ist seit der Einrichtung angestiegen. In allen Lokalitäten und auch im gesamten Erlebnispark am Nürburgring (ausgenommen im Subway) wird mit der sogenannten ring°card bezahlt. Herr Sander führt die Klasse dazu zu einem Automaten, der aussieht wie ein gewöhnlicher Bankautomat. Doch dahinter steckt ein selbstentwickeltes System, mit dem sich die Leiter des Nürburgrings eine zusätzliche Geldquelle erhofft haben. Man zahlt auf die ring°card ein beliebiges Guthaben ein und kann mit dieser Karte bargeldfrei bezahlen und hinterher sein Restguthaben auch wieder zurückbekommen. Es wurde aber auch darauf spekuliert, dass Gäste Restbeträge auf dieser Karte lassen würden. Dieses gesamte System hat knapp 7 Millionen Euro gekostet. Die Führung geht weiter, vorbei an Originalhäusern von 1927 und einem Denkmal von Rudolf Caracciola der das Eröffnungsrennen 1927 am Nürburgring gewann, weiter zu den historischen Fahrerlagern, die momentan restauriert werden und mittlerweile wieder neu eröffnet wurden. Jetzt beginnt die „Backstagetour“ zur VIP-Terrasse, 160 Stufen über dem Boden, hat man einen Überblick über den gesamten Nürburgring und seine Umgebung bis nach Bitburg.


Gegenüber dieser Anlage befinden sich mehrere Hotels, unter anderem eins, das einen Privateingang zur teuersten Tribüne des Ringes besitzt, an der man 1 ½ Minuten einen Rennfahrer auf der Strecke sehen kann. Am schnellsten kann man auf der 5,148km langen Grand-Prix-Strecke mit 260km/h auf einer Geraden fahren. Die Klasse wird weiter auf das Renngelände des Rings geführt. Hierzu zeigt Herr Sander der Klasse die Boxengasse (auf Englisch pit lane). Die Boxen sind für den Truck-Grand-Prix ausgebaut und darum 4m hoch. Es gibt am Nürburgring 33 Boxen, von denen bei der Formel 1 jeder Marke 2 Boxen zustehen. Die Klasse steht begeistert in der Box, die zum Formel 1-Rennen Michael Schumacher zustehen soll.


Nachdem Herr Sander der Klasse zeigt, wo auf dem Gelände beim Rock-Festival ‚Rock am Ring‘ die Hauptbühne (center stage) steht und wo das Medical Center ist,

 

 

 

 

 


das bei dem Festival oft besucht wird, auch aufgrund von Drogenmissbrauchs und Verletzungen, steigen beide Klassen wieder in den Bus und erhalten eine kurze Tour durch Nürburg und der näheren Umgebung. An einer Lichtung hält der Bus an und die Schüler und Herr Sander steigen aus. Vor ihnen sehen sie das Gelände, das bald zu einem Golfplatz umgebaut werden soll. Doch auch der Golfplatz mit seinen Gebäuden ist umstritten. Er soll ganzjährlich benutzt werden können und in die Landschaft soll ein neuer Gebäudekomplex gebaut werden. Doch das Gelände liegt an einem kleinen Bach, der unter anderem Lebensraum des Schwarzstorches ist. Weiterhin müssten die Golfer die Straße überqueren, um die gesamte Fläche nutzen zu können. Man ist sich um den Platz im Sinne der Umweltverträglichkeit also noch nicht ganz einig, da es sich vor Ort um ein labiles Ökosystem handelt. Abschließend verabschiedet sich Herr Sander von den Schülern und wir treten den Rückweg zum Gymnasium mit gemischten Gefühlen über den Ausflug an.