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B. Brecht: „Der gute Mensch von Sezuan“ Ein Theaterbesuch in Köln (18.12.13)



Um ein schönes Ende für das Unterrichtsjahr 2013 zu finden, haben wir, die Deutschleistungskurse der Jahrgangsstufen 12 und 13 sowie ein Deutsch-Grundkurs der Jahrgangsstufe 12, mit unseren Fachlehrern Frau Schütte, Herrn Feldges und Frau Beyen-Unte am 18.12.2013 eine Inszenierung von Berthold Brechts Parabelstück „Der gute Mensch von Sezuan“ im Schauspielhaus in Köln im „Depot 2“ besucht.

Die Exkursion begann nach einem langen Schultag, weshalb sich die Begeisterung bei den meisten Schülern zunächst in Grenzen hielt, denn lieber hätte man doch einen gemütlichen Fernsehabend verbracht, als einen scheinbar„drögen“ Theaterbesuch zu unternehmen. Doch schon beim Betreten des Theatergeländes wandelte sich die Stimmung, denn das Theater fand in den Hallen eines ehemaligen Kabelwerkes statt, was die meisten von uns Schülern zunächst erstaunt hat, da wir uns das Theater anders, ja konventioneller, vorgestellt hatten. Auch das Bühnenbild, geprägt unter anderem durch einen Schutthaufen, ein Fließband oder ein Rolltor, unterstrich die industrielle Atmosphäre, die eine Verbindung zum Inhalt des Stücks darstellt, da das Parabelstück „Der gute Mensch von Sezuan“ eine Kritik am Kapitalismus und der Industrialisierung des frühen 20.Jahrhunderts darstellt. Brecht zeigt seine Kritik anhand des Schicksals der gutherzigen ShenTeauf und verlagert das Geschehen ins ferne China.Sie lebt in einer egoistischen und materiellen Welt, in der prekäre Lebensbedingungen vorherrschen. Somit ist sie,um überleben zu können, gezwungen, als ihr fiktiver Cousin Shui Ta aufzutreten, um in der Lage zu sein, skrupellose Geschäfte zu tätigen.

Doch nicht nur die Örtlichkeit war sehr beflügelnd, auch das Schauspiel selbst ist äußerst abwechslungsreich gewesen. So sind einige Szenen nicht durch Schauspieler sondern auch durch Puppen dargestellt worden, was eine für Brechts episches Theater typische Distanz zwischen den Schauspielern und ihren Rollen erzeugt und eine teilweise sehr unterhaltende komödiantische Wirkung hat.

Neben diesem interessanten Wechselspiel zwischen Puppen und Schauspielern beeindruckte einige von uns besonders, dass ein Teil des Stücks, nämlich die Szene der mangels Geld gescheiterten Hochzeit von ShenTe und Yang Sun, im Foyer des Theaters mitten unter uns Zuschauern aufgeführt worden ist. Es wirkte, als wäre man auf einer realen Hochzeit. Als Highlight kann sicherlich auch die oftmals stattfindende direkte Publikumsansprache bezeichnet werden, da diese die Stimmung aufgelockert hat und insbesondere im Falle von Frau Yang, während der im Foyer gespielten Szene, äußerst erheiternd gewesen ist, in anderen Situationen aber auch zum Nachdenken angeregt hat.

Auch wenn die Schauspieler wegen der suboptimalen Akustik teilweise schlecht verstanden werden konnten, und - ein weiterer Nachteil - interessante Szenen, wie die Gerichtsszene am Ende des Stücks, ausgelassen worden sind, das Stück alles in allem ein wenig komprimierter hätte sein können, kann der Abend durchaus als gelungene Theaterexkursion bezeichnet werden. Wir Schüler haben interessante neue Erfahrungen gemacht. Und unser im Unterricht erlerntes Wissen über Brechts episches Theater konnte vertieft und gefestigt werden, sodass wir alle müde, aber glücklich am späten Abend zurück in Linz angekommen sind.

Von T. Gies, D L1 Su, MSS 12, MGL 30.12.13

 



Bertolt Brecht: „Der gute Mensch von Sezuan“

Provisorisch sieht es aus: Große Lagerhallen, in denen das theatertypische Interieur wirkt wie ein Fremdkörper, beheimaten das „Schauspiel Köln“ vorübergehend, und aus dem Provisorium machen die Verantwortlichen auch keinen Hehl. Die Atmosphäre, die das E-Werk naturgemäß versprüht, wurde nicht verändert. Ein solcher Versuch wäre vermutlich auch zum Scheitern verurteilt gewesen, kann man doch die meterhohen Betonwände, die unzähligen Rohrleitungen, Seilwinden und anderen Einrichtungen des ehemaligen Kabelwerks nicht einfach verdecken oder abmontieren. So sind Trennwände und Theken aus weitgehend unbehandeltem Sperrholz zusammengezimmert und Aufschriften mit Schablonen aufgesprüht, um sich doch zumindest etwas in die Umgebung einzupassen. In dieser Lagerhallen-Manier kommt dann auch das Bühnenbild daher: Ein Bauzaun steht neben einem aufgeschütteten Erdhaufen, vor dem sich ein Fließband befindet, im Hintergrund zwei Müllcontainer. Dem Zuschauer offenbaren sich Sinn und Zweck dieser auf den ersten Blick zufälligen Objektanordnung erst im Laufe des Stückes, Regisseur Moritz Sostmann versteht es, sie auf verblüffend sinnvolle Art und Weise in den Handlungsverlauf einzuarbeiten. So unterhalten aus dem Mülleimer aufsteigende Muppet-Verrisse als Klamaukeinlagen das Publikum und lockern die ansonsten so dramatische Handlung auf.

Die das Stück durchziehende Verfremdung des Stoffs gefällt jedoch nicht jedem; einige Zuschauer verlassen die Aufführung schon nach wenigen Minuten. Und auch bei den Schüler/innen kommt die Inszenierung nicht durchweg gut an. Wieso spritzt der Polizist mit einem Gartenschlauch herum? Wieso sind im letzten Akt auf der ganzen Bühne Bettlaken aufgehängt? Was hat das Unterschichten-Puppenkabinett mit Brechts Stoff zu tun? Wäre dieses ganze Beiwerk, das so gewollt unkonventionell wirken soll und dem nicht wenige Szenen des ursprünglichen Stücks anschließend aus Zeitgründen zum Opfer fallen mussten, nicht besser weggelassen worden? Noch dazu in Zeiten, in denen selbst die größten Absurditäten auf den Theaterbühnen niemanden mehr so recht beeindrucken wollen? Hätte man nicht stattdessen die harten, bitteren Elemente der Gesellschaftskritik Brechts stärker ins Zentrum rücken müssen?

Die Antwort fällt schwer, denn ob dieses oder jenes Element nun auf Brechts Intentionen hinweist oder aber von genau diesen ablenkt, ist in vielen Punkten der Sostmann-Inszenierung nicht leicht herauszufinden. Wer sich also nach Aufführungsschluss nicht das Doppelte der Spielzeit mit Interpretationsversuchen befassen will, für den ist „Der gute Mensch von Sezuan“ in Köln aktuell sicher nichts. Alle anderen können sich ja mal darauf einlassen.

L. Dyrbusch, D L1 Su, MSS 12, MGL 30.12.13