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Hitler in der Schule lesen? - Die Vorstellung der Edition von Hitlers „Mein Kampf“ im Bonner Haus der Geschichte


Eine Besprechung von Fabian Zühlke, Stufe 12, LK1

Im Rahmen des Leistungskurses Geschichte habe ich die Veranstaltung „Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition“ am 26.01.2016 im Haus der Geschichte in Bonn besucht. Die Veranstaltung bestand aus einer Buchvorstellung und einem anschließendem Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Wirsching (Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München), Dr. Christian Hartmann (Herausgeber und wissenschaftlicher Leiter des Editionsprojekts) sowie Prof. Dr. Helmuth Kiesel (Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Heidelberg). Moderiert wurde das Gespräch von Prof. Dr. Hans Walter Hütter (Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland).

Der erste Teil des Buches „Mein Kampf“ wurde von Adolf Hitler während seiner Festungshaft 1924 in der Haftanstalt Landsberg verfasst. Der zweite Teil erschien 1926. Nach 1930 wurden die beiden Teile in einer Fassung zusammengefasst und bis 1944 über 12 Millionen Mal verkauft. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges fielen die Rechte des Buches an das bayerische Finanzministerium, welches eine Veröffentlichung des Buches verbot.

70 Jahre nach dem Tod Adolf Hitlers, speziell seit dem 1. Januar 2016 ist „Mein Kampf“ ein gemeinfreies Buch, das heißt, dass die Urheberrechte entfallen sind. Das Institut für Zeitgeschichte München machte sich dies zunutze und verfasste eine kommentierte Edition von einer der zentralsten historischen Quellen aus der Zeit des Nationalsozialismus, die am 08. Januar 2016 erschienen ist.

Dr. Christian Hartmann, der wissenschaftliche Leiter des Projekts, gab bei der Veranstaltung einen Einblick in die Entstehung des Buches. Dabei wies er auch auf die Schwierigkeiten hin, die das Institut für die Erstellung der kritischen Edition lösen musste. So bedurfte es der Einhaltung eines strengen Zeitplanes. Innerhalb von drei Jahren musste die kritische Edition fertiggestellt sein. Da das Institut für Zeitgeschichte München kein eigenständiger Verlag ist und sie keinen Verleger für die Vermarktung des Buches beauftragen wollten, bestand ein weiteres großes Problem in der Logistik der Herstellung. Auch die Politik nahm Einfluss auf den Werdegang der kritischen Edition. Im Jahr 2013 wollte die bayerische Staatskanzlei die Veröffentlichung der Edition stoppen, im Gegensatz zur Ministerialbürokratie, die das Projekt unterstützten.

Im Anschluss daran wurde durch eine kurze Präsentation die Frage beantwortet, wie die kritische Edition funktioniert. Dabei wurde auf das besondere Layout und das Sachwort-, Personen- und Ortsregister hingewiesen. Verbunden mit den Kommentaren bietet es eine Grundlage, um sich mit den Worten und den ihnen innewohnenden Ideologien Hitlers auseinander zu setzten. (s. Foto zum Begriff „Rassenschande“)

Im weiteren Verlauf des Gespräches ging es darum, die Frage zu beantworten, ob Hitler ein guter Schriftsteller war. Prof. Dr. Kiesel beantwortete diese Frage mit Ja und verwies auf einen Selbstversuch, den er in seinem Urlaub unternommen hatte. Dort las er die Originalausgabe des Buches und nennt Hitler einen „Schriftsteller mit Potential“. Prof. Dr. Kiesel beschrieb die Originalausgabe in einer ironischen Weise als gut lesbar und verständlich, während er die kritische Edition als „unlesbar“ bezeichnete, begründet durch die vielen Kommentare und „Ausschlachtung“ des Werkes. Er stellte aber auch die exzellente Arbeit der Autoren in den Vordergrund, die mit ihren Kommentaren und Aufsätzen Hitlers Worte durchdrungen und widerlegt hätten.

Prof. Dr. Hütter spitzte das Gespräch zu, indem er die Frage formulierte, welche Rolle Hitlers Werk in seiner Politik gespielt habe. Beantwortet wurde ihm diese Frage von allen Gästen gleich. Hitler habe aus dem Nichts eine Ideologie geschaffen und damit die Grundlage für das „Dritte Reich“. Er nutzte „Mein Kampf“ als Instrument, um an die Macht zu kommen.

Die letzte Frage des Gespräches war für mich als Schüler eines Geschichts-Leistungskurses von besonderer Bedeutung. Es ging darum, ob die kritische Edition Bestandteil an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen werden solle. Prof. Dr. Wirsching, Prof. Dr. Kiesel und Dr. Hartmann waren sich bei dieser Frage einig. Die kritische Edition ist nutzbar in der Schule und soll dort auch verwendet werden. Schüler sollen damit „Mein Kampf“ als historisch wichtiges Werk entschlüsseln und so Stück für Stück Hitlers Ideologie, gepaart mit empirischen Fakten, in ihrer Geschichtsgebundenheit verstehen. Als die Frage aufkam, ob es eine speziell abgespeckte Version für den Schulunterricht geben solle, verneinten das Dr. Hartmann und Prof. Dr. Wirsching. Auch Prof. Dr. Kiesel, welcher nicht an dem Projekt mitgearbeitet hat, befand es für eine schlechte Idee, nur eine abgespeckte Version für Schulen zu veröffentlichen. Man solle die ganze kritische Edition zur Verfügung haben und damit arbeiten können. Die Frage, wie das Buch in einen ohnehin vollgestopften Lehrplan für das Fach Geschichte passen soll, wurde nicht beantwortet.

Durch die Veröffentlichung des Buches wird eine der letzten wichtigen Quellen des Dritten Reiches entschlüsselt und für die Öffentlichkeit zugänglich. Durch die zahlreichen Kommentare und Sachverweise lässt sich Hitlers Ideologie genauer verstehen und durchschauen.