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Und... wie lerne ich jetzt am schnellsten Deutsch?



Fragestunde in der 9A mit Ali, Muhammad und Amir

Es ist der letzte Freitag vor den Osterferien, sechste Stunde in der 9a. Gespannte Stille senkt sich über den Klassenraum. Vorne sitzen Ali, Muhammad und Amir gemeinsam mit Teresa, Jannick und Shania aus der 9a, die als Moderatoren fungieren und Kian aus der Stufe 12, der uns beim Übersetzen hilft. Kians Mutter ist aus dem Iran, er selbst hat einige wenige Jahre in Teheran gelebt, ist aber überwiegend hier aufgewachsen. Die Klasse hat Ali, Muhammad und Amir, drei Flüchtlinge, die seit einiger Zeit an unserer Schule sind, eingeladen, um sie über ihre Flucht und ihr Leben in Deutschland zu befragen.

In einer ersten Runde stellten sich die drei Jungen vor.

Ali ist 16 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Afghanistan und ist zusammen mit seiner Mutter und seinen zwei Schwestern nach Deutschland gekommen. Eine seiner Schwestern, Anahita, geht ebenfalls auf unsere Schule – in die 8.

Muhammad, 17 Jahre, ebenfalls Afghane, war mit seinen Eltern, zwei Schwestern und einem Bruder zufällig in derselben Gruppe unterwegs wie Ali. Er geht in die 9.

Amir – ebenfalls 8. Klasse – ist Syrer und 15 Jahre alt. Er lebte für einige Jahre im Libanon, bevor er über die Türkei nach Deutschland kam.

Wie sich im Verlauf der weiteren Fragen zeigte, haben alle drei ganz unterschiedliche, teilweise sich überschneidende Fluchtgeschichten.

Wenn Ali auch ursprünglich aus Afghanistan kommt, lebte er für mehrere Jahre im Iran, um der schlechten Sicherheitslage in Afghanistan zu entkommen. Im Iran jedoch ist das Leben für Afghanen sehr schwer. Der Iran ist eine Klassengesellschaft, in der Afghanen die unterste Schicht - „den Abschaum“, wie Ali sagt – bilden und täglich offener Diskriminierung ausgesetzt sind. So werden sie für die schwersten Arbeiten eingesetzt, verdienen dabei aber sehr schlecht. Auch kommt es vor, dass sie auf offener Straße tätlich angegriffen werden, ohne dass jemand eingreift. Ali musste mit 14 Jahren auf dem Bau arbeiten und hat auch Erfahrungen mit Gewalt gemacht.

Die Flucht zu Fuß und mit dem Boot fand dann in einer großen Gruppe statt. Der Fluchtweg führte über die Türkei, Griechenland, die Balkanländer und Österreich nach Deutschland. Ali wurde während dieses Monats schwer krank und verbrachte eine Woche in einem österreichischen Krankenhaus, was aber zu keiner Besserung führte, sodass er sich mit Fieber wieder auf den Weg machen musste. Als schlimmste Erfahrung nennt er sein Kentern mit dem Boot.

Muhammad flüchtete direkt aus Afghanistan, als er zufälligerweise zu der Gruppe stieß, in der sich auch Ali und seine Familie befanden. Die beiden lernten sich dann aber erst in Deutschland kennen. Muhammad erzählt einiges über die Situation in Afghanistan, wo man im Moment nicht sicher leben kann. Sobald sich die Situation zum Besseren ändert, will er sofort zurück in seine Heimat. Nach seiner Flucht und bevor er nach Linz kam, lebte er eine Zeitlang in einem Auffanglager in Trier. Neben seinem Wunsch, so bald wie möglich nach Afghanistan zurückkehren zu können, ist es sein größtes Anliegen, möglichst schnell Deutsch zu lernen, um besser an unserem Leben teilhaben zu können. Als das Ende der Stunde naht möchte Jannick, einer der Moderatoren, wissen, ob nicht auch die drei Jungen Fragen an uns haben. Muhammad antwortet und man merkt, dass es ihm sehr ernst damit ist. „How can I learn german immidiatly?“

Amir hingegen ist über die Türkei mit einem Flugzeug nach Algerien geflogen. Anschließend wanderte er zusammen mit seinem Vater bis zur marokkanischen Grenze, von wo sie dann mit einem Schiff nach Spanien fuhren. Dort angekommen verbrachte er einige Tage mit seinem dort lebenden Onkel. Als sein Vater und er die Gelegenheit dazu hatten, in einem Frankfurter Flüchtlingslager unterzukommen, nutzten sie diese. Mit einem Bus ging es dann weiter nach Trier, wo er und sein Vater drei Wochen verbrachten. Anschließend zogen die beiden dann nach St. Katharinen, wo sie noch immer leben.

Amirs Mutter und der zweijährige Bruder sind noch in der Türkei, sollen aber nachkommen, sobald sie ein Visum erhalten haben.

Amir, der schon sehr gut deutsch spricht und sehr bildungshungrig wirkt, will nicht mehr in seine Heimat Syrien zurückkehren. Er bewundert das hiesige Bildungssystem und hofft auf eine Zukunft in Deutschland.

Die 45 Minuten der sechsten Stunde sind viel zu schnell vergangen. Es klingelt, aber alle sind sich einig: „Wir müssen noch viel mehr wissen.“ Michelle wagt aber jetzt schon einmal ein Resümee: „Durch die Geschichte von Amir, Ali und Muhamed haben wir erkannt, wie gut wir es hier haben. Unsere Schule unterstützt jeden Flüchtling, der Hilfe braucht. Jeder hat das Recht auf Bildung und ein Leben in Sicherheit.“

 

Zur allgemeinen Information

 

Zur Zeit besuchen sieben Flüchtlinge das MGL.

Mohamed Amir Fadawi, Klasse 8

Anahita, Klasse 8

Ali, Klasse 9

Klea, Klasse 9

Muhammad, Klasse 9

Balssa, Klasse 10

Yara, Klasse 7

 

Für das Erlernen der deutschen Sprache erhalten die sieben Mädchen und Jungen Deutschunterricht bei Frau Herzog und Frau Hanke. Daneben lernen sie im Selbststudium und nehmen an so viel „normalem“ Unterricht wie möglich teil.

 

Damit das Einleben an der Schule möglichst schnell und erfolgreich läuft, gibt es in jeder Klasse sogenannte „Buddies“, die sich speziell um eine/n der Sieben kümmern. Dabei geht es darum, das Leben in der Schule zu erleichtern, einfach einen Ansprechpartner zu haben, der einem z.B. sagt, wo sich der Physikraum befindet, sich einzuleben, oder auch Freizeittipps zu geben und einen Sportverein zu finden usw.

Die deutschen Schüler sind sehr engagiert und für unsere „Neuen“ eine große Hilfe.